Pumpen, Sandsäcke füllen, Deiche bauen

09.06.2024
Feuerwehr
Hochwasser: 310 Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis unterstützen im Krisengebiet Manching

Von Lisa Reitemeier

Altötting. Wegen des Hochwassers im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm sind 310 Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Altötting zur Unterstützung unterwegs gewesen, 270 davon waren in der Gemeinde Manching viele Stunden im Einsatz.
Die Anfrage seitens der Regierung von Oberbayern sei am Samstag um 17 Uhr gekommen, sagt Bernhard Thöni, Sachgebietsleiter für Katastrophenschutz am Landratsamt Altötting, am Dienstag auf Anzeiger-Nachfrage. Er schloss sich sofort mit Kreisbrandrat Franz Haringer kurz, der sagte: „Wir kriegen das hin.“ Dann wurde schnellstmöglich das weitere Prozedere in die Wege geleitet. Etwa drei Stunden nach der Nachricht der Regierung, dass Hilfe benötigt wird, brach die geforderte Anzahl an Feuerwehrkräften mit der entsprechenden Ausrüstung um 20.30 Uhr nach Manching auf.


„Der Einsatz ist
hervorragend gelaufen“


Aus Landkreissicht sei der Einsatz dort „hervorragend“ gelaufen, bilanziert Thöni. Die Feuerwehrkräfte leisteten „Wahnsinnsarbeit“. „Alles, was geplant war, konnte umgesetzt werden.“ Zwar sei vor Ort schon Betroffenheit und Anspannung spürbar gewesen, aber die Bewohner hätten sehr gut zusammengehalten. „Freiwillige Hilfskräfte von einer 400 Mann- und Frauenstärke haben sich abwechselnd organisiert“, erzählt Thöni beeindruckt. Nach dem Motto „Pack ma zam, helf ma zam“ habe alles, was noch zu retten war, gerettet werden können.
Am Samstag nach Manching vorausgefahren ist Kreisbrandinspektor Johann Bernhard gemeinsam mit Stephan Laumann, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Emmerting, und zwei weiteren Kommandanten. Bei deren Ankunft sei noch relativ unklar gewesen, was konkret zu tun ist. Als die anderen Kollegen aus dem Landkreis Altötting eintrafen, standen die Aufgaben fest: Sie befüllten Sandsäcke, bauten Deiche auf, sicherten diese, pumpten Wasser, bauten Wasserrückhaltesysteme – auch die BoxWall der Peracher Firma Stirner kam zum Einsatz – und andere Systeme auf und unterstützten die Feuerwehr Manching bei der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft. Am Dienstag kam auch die Hochleistungspumpe zum Einsatz und schützte einen Gemeindebereich vorm Hochwasser.
„Der Empfang durch die Feuerwehr Manching war sehr positiv“, berichtet Johann Bernhard. Da die Manchinger Bevölkerung die Sandsäcke zunächst händisch befüllte, sei relativ schnell entschieden worden, dass eine Sandsackabfüllanlagen aus dem Landkreis Altötting benötigt wird. Diese brachten dann Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Haiming.
Der letzte Hochwasserstand habe in Manching bei 2,60 Meter gelegen, erwartet wurden dieses Mal 3,50 bis 4 Meter, so Bernhard. „Es waren dann 3,66 Meter.“ Eine Brücke und ein Museum und das darin aufbewahrte „kulturelle Erbe“, wie ein 2000 Jahre altes Boot, mussten vor den Wassermassen abgeschirmt werden. Das gelang und auch der Schutz der Bevölkerung konnte gewährleistet werden: „Die Dämme haben gehalten und der Ort wurde geschützt“, sagt Bernhard erleichtert.
Das erste Feuerwehrkontingent aus dem Landkreis – bestehend aus 120 Kräften – war ab Samstagabend 48 Stunden lang im Einsatz. „Am Montagvormittag sind wir heimgekommen, mit Null Schlaf aber einem Erfolgserlebnis.“ Das zweite Kontingent startete dann am Montagnachmittag in die Gemeinde Manching und half für eine Nacht. Es wurde bei der Planung darauf geachtet, dass auch im Landkreis Altötting genügend Einsatzkräfte greifbar sind.
Die Stimmung in der Hochwasserkrisenregion beschreibt der Kreisbrandinspektor trotz der Umstände als „sehr geordnet“. Das Kontingent aus dem Landkreis Altötting hat „effektiv zusammengearbeitet, die Hilfe untereinander war sehr positiv“. Der Kommandant der Feuerwehr Manching sei sehr froh über die Unterstützung gewesen.
„Alle Helfer waren erschöpft, aber wir konnten das einsetzen, was wir bei der Feuerwehr gelernt haben“, sagt Johann Bernhard. „Es war für jeden ein persönlicher Gewinn, weil wir erfolgreich waren und den Leuten helfen konnten. Deshalb ist man bei der Feuerwehr dabei.“
In Manching im Einsatz waren Kräfte von 28 Feuerwehren aus dem Landkreis: Altötting, Alzgern, Arbing, Burghausen, Burgkirchen, Emmerting, Endlkirchen, Erlbach, Feichten, Garching, Haiming, Kirchweidach, Marktlberg, Mehring, Niedergottsau, Neuötting, Nonnberg, Perach, Raitenhaslach, Raitenhart, Reischach, Stammham, Töging, Tüßling, Tyrlaching, Unterneukirchen, Wald/Alz und Winhöring. Darüber hinaus war die Kreisbrandinspektion mit Kreisbrandinspektor Johann Bernhard und den Kreisbrandmeistern Thomas Weggartner, Alois Wieser jun. und Patrick Völkl vor Ort, ebenso Bernhard Thöni vom Katastrophenschutz des Landkreises und zum Eigenschutz die Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes. Kreisbrandrat Franz Haringer und Bernhard Thöni bedankten sich bei allen Beteiligten für die tolle Unterstützung, die von allen Seiten gelobte Zusammenarbeit und die enorme Einsatzbereitschaft.


„Die Arbeitgeber
unterstützen uns“


Einige Helfer hatten im Vorfeld ihre Arbeitgeber über den Einsatz und ihr Fehlen informiert, andere seien in Eigenverantwortung am Samstag mitgefahren und hätten spontan freibekommen, so Bernhard. „Ein Großteil der Arbeitgeber im Landkreis unterstützt es.“ Bisher seien noch keine Beschwerden zurückgekommen.
Das Chemieunternehmen Wacker mit Sitz in Burghausen beispielsweise fördere den Einsatz für das Allgemeinwohl z.B. bei Freiwilligen Feuerwehren, „indem Mitarbeitende in Absprache mit ihren Vorgesetzten und unter Berücksichtigung betrieblicher Notwendigkeiten für Notfalleinsätze freigestellt werden können. Dies gilt auch im aktuellen Hochwasserfall“, teilt ein Sprecher auf Nachfrage mit. „Die Kosten für den Arbeitsausfall werden, wie gesetzlich geregelt, durch die öffentliche Hand kompensiert.“
Die an die Werkfeuerwehr gestellten Anfragen bezüglich verschiedener Ausrüstungsgegenstände für den Hochwassereinsatz würden derzeit geprüft bzw. koordiniert.

 

Quelle www.pnp.de vom 6.6.24